Die meisten älteren Herrschaften aus dem Pop und Rock verlegen sich irgendwann auf Blues-Standards oder kultivieren den eigenen Status quo. Ganz anders John Cale: Der 80-jährige Mann aus Wales, der mit The Velvet Underground, als Produzent (The Stooges, Nico, Patti Smith) sowie als Solist („Paris 1919“) mit dickem Stift Geschichte geschrieben hat, verfolgt das aktuelle musikalische wie sozio-politische Zeitgeschehen genau – und integriert es in seine eigene Kunst.
„Mercy“, sein 17. Studioalbum und das erste seit 2016, ist ein Vorstoß in düsteren Elektropop. Da gesellen sich Klavier, Orgel und E-Bass zu sphärischen Keyboards, knackigen Beats, opulenten Streichern und Industrial-Einflüssen. Hier ein Zischen oder mystisches Rauschen – da soulige Backingvocals und ein nachdenklicher, hintergründiger Gesang. Cale serviert auf seinem neuen Album etwas geradezu Sakrales. Fast so, als wollte er das Unterbewusstsein…
